Die Sehnsucht leben

 

Seit einigen Wochen, Monaten spüre ich in mir immer wieder so ein seltsames Gefühl. Ich habe mir nach meinen 20 Jahren im Kloster ein traumhaft schönes Leben aufgebaut, wohne in einem genialen Haus, bin verheiratet mit dem besten Mann der Welt, hab eine super Beziehung zu meinen Eltern, mir ein geniales Unternehmen aufgebaut, tolle Freunde, klare Ziele, eine wunderbare Vision für 2022 … und dennoch ist irgendetwas in mir das sich seltsam anfühlt, eine gewisse Unruhe, eine Sehnsucht nach … ja nach was?

Letzte Woche beim Coaching habe ich davon erzählt, erzählt, dass es sich genauso anfühlt wie damals als es mir im Kloster zu „eng“ wurde. Jahrelang war ich unendlich glücklich und dankbar, konnte mir nichts schöneres vorstellen, doch langsam machte sich eine Sehnsucht breit nach mehr. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, dass ich damals immer wieder von außen Signale bekam. Des öfteren war ich mal krank und als ich vom Fahrrad stürzte und mit Gehirnerschütterung im Bett lag, fragte mich meine Supervisorin „Was soll dir das sagen“. Und so langsam begann ich zu hinterfragen. Es entwickelte sich eine latente Unzufriedenheit. Austreten kam für mich nicht in Frage und dennoch fing ich zwischendurch an mir Kleider von meiner Schwester auszuleihen und „zivil“ zu gehen.

Bei einem Treffen mit meinem persönlichen Mentor wies dieser mich darauf hin, dass ich viel entspannter aussehen würde, als die letzten Treffen mit Ordenskleid. Es waren die vielen kleinen Puzzlespiele von außen und innen die dazu führten, dass ich 2002 Einzelexerzitien machte. 10 Tage im Schweigen um zu spüren und heraus zu finden was für mich dran ist.

An einem dieser Tage sagt der Exerzitienleiter zu mir „such dir eine Bibelstelle, die dich heute begleitet“. Ich schlug meine Bibel auf und fand folgende Stelle

„zieh fort aus deinem Land, von deinem Volk, aus deinem Vaterhaus in das Land das ich dir zeigen werde“.

Nun ist diese Bibelstelle eine Stelle die ganz oft verwendet wird zum Thema Berufung hinein ins Kloster und so suchte ich an diesem Tag noch einige weitere Stellen. Doch immer wieder kam ich auf diese Stelle zurück, doch mein Vaterhaus (mein Kloster) verlassen, das wollte ich doch gar nicht. Und vor allem wohin sollte es gehen? Ich hatte keine Ahnung, ich hatte Angst und ich hatte Sehnsucht.

Damals bin ich meiner Sehnsucht gefolgt …

Beim Aufbau meiner Selbständigkeit erging es mir dann nochmals ähnlich, ich spürte dass ich mein Wissen mit allen teilen will, dass es mir ein Herzensanliegen ist, dass es den Menschen gut geht und ich folgte meiner Sehnsucht.

Die Prozesse dauerten immer eine ganze Weile, die Abschiede waren jeweils schwer, doch danach war es so traumhaft schön und ich so unendlich glücklich und dankbar.

Was bedeutet das heute für mich? Das ich diese Sehnsucht in mir zulassen darf. Mich öffnen kann dem was da kommt, auch wenn es zwischendurch „Bauchschmerzen“ gibt.

Was bedeutet das für Dich? Auch Du darfst dich selber spüren lernen und heraus finden, ob das, was und wie du jetzt lebst, dich rundum glücklich macht oder ob (d)eine Sehnsucht da ist…

Lass es zu, in Dir steckt unendlich mehr als Du denkst.

Deine Amata